Bauarbeiten Annaberger Straße (RA-375/2014)

vom 2. Oktober 2014

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
Anwohner der Annaberger Straße haben sich bei uns über die zahlreichen Bauarbeiten (die
Projektierung sowie das augenscheinliche Ergebnis) beschwert. Daher bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen:

1) Welche Probleme und Verzögerungen sind während der Baumaßnahmen tatsächlich
aufgetreten und wie wirkt sich das auf die Baukosten aus?
2) Welche Fördermittel stehen dem kommunalen Eigenanteil (der Stadt oder CVAG) an den
Gesamtausgaben gegenüber?
3) Warum entfällt die Abbiegespur in die Olbernhauer Straße in beiden Richtungen mit der
Begründung einer breiteren Kurvenführung für die Variobahn, obwohl das Straßenbahngleis dort
in gerade Linie verläuft?
4) Inwiefern kam es während der Baumaßnahmen zu Umsatzeinbußen der ortsansässigen
Händler und aufgrund kritisierter, spürbarer Erschütterungen durch Baufahrzeuge zu einer
„Zerstörung“ der Gebäudesubstanz am Straßenrand?
5) In Nähe der Olbernhauer Straße befand sich überdies ein 200 Meter langer „Hauptsammler“
fürs Abwasser. In welchem Zustand befindet sich dieser aktuell bzw. welche Nutzungspläne
bestehen diesbezüglich?

Thomas Sänger

Antwort: Sehr geehrter Herr Sänger, die Oberbürgermeisterin hat mich gebeten, Ihre Anfrage zu beantworten:

1) Prinzipiell war die CVAG bemüht, die beiden Bauvorhaben auf der Annaberger Straße (einmal im Bereich des Alt-Chemnitz-Centers und im Bereich zwischen Beckerbrücke und Treffurthstraße) im gleichen Zeitraum durchzuführen, um damit die Belastung für die Fahrgäste wegen der Einrichtung von Schienenersatzverkehr und die aus dem notwendigen Umleitungsverkehr herrührenden zusätzlichen Belastungen für den Individualverkehr so gering wie möglich zu halten.

Im Bereich der Baumaßnahme am Alt-Chemnitz-Center konnte der Bau erst verspätet begonnen werden, weil es einen Einspruch im Vergabeverfahren für die Bauleistungen gegeben hatte. Kostenerhöhungen resultieren daraus nicht. Des Weiteren musste die CVAG während der bereits angelaufenen Baumaßnahme feststellen, dass Planungs- und Vermessungsleistungen nachträglich korrigiert werden mussten, was zu einer summierten Verzögerung von rund zehn Arbeitstagen geführt hat. Die ggf. daraus resultierenden Baukostenerhöhungen werden momentan ermittelt, lassen sich aber zum heutigen Zeitpunkt noch nicht endgültig beziffern.

Auch im Bereich Beckerbrücke bis Treffurthstraße kam es zu Verzögerungen. Zum einen stimmten Leitungspläne nicht mit den tatsächlichen Leitungsverläufen für Abwasseranlagen überein, was nachträgliche Planänderungen zur Folge hatte und zum anderen mussten Einstiegsbauwerke in unterirdische Abwasseranlagen im Gleisbereich völlig neu errichtet werden, was ebenfalls im Vorfeld nicht abzusehen war. Auch hier sind die genau entstandenen Mehrkosten noch nicht endgültig bezifferbar.

2) Bei der Baumaßnahme zwischen Treffurthstraße und Beckerbrücke handelt es sich um eine Maßnahme des Wiederaufbauplanes aus dem Hochwasser, die zu 100 Prozent gefördert ist. Lediglich ein geringer Anteil an durch die CVAG erbrachten Eigenleistungen war nicht förderfähig. Im Bereich des Alt-Chemnitz-Centers beträgt der Fördersatz 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, wobei Planungskosten nicht gefördert wurden. Bei voraussichtlichen Gesamtaufwendungen von rund 1,3 Millionen Euro bedeutet das, dass Fördermittel von voraussichtlich 930.000 Euro zum Einsatz kommen.

3) Am Knoten Annaberger Straße/Olbernhauer Str. entfällt keine Fahrbeziehung. Lediglich die stadtwärtige Fahrbahn der Annaberger Straße wird ab Olbernhauer Straße auf einer Länge von rund 220 Metern bis zur Ausfahrt des Alt-Chemnitz-Centers einspurig werden. In landwärtiger Richtung wird in diesem Bereich die zweiteilige Fahrbahn sogar auf 3,25 Meter Breite je Fahrspur verbreitert. Damit stehen an vorbenanntem Knoten sowohl für die Spur geradeaus/rechts als auch für die Linksabbiegespur Fahrbahnbreiten von je 3,25 Meter zur Verfügung. Die stadtwärtige Fahrbahnaufteilung steht in ursächlichem Zusammenhang mit dem Neubau der Straßenbahnhaltestelle. Die Linksabbieger in Richtung Schneeberger Straße werden vor dem Knoten auf die Gleistrasse geführt und als separate Linksabbiegespur am Knoten eingeordnet. Auf Grund dieser Führung musste die Gleisgeometrie aufgeweitet werden, was zur Einordnung von Gleisbögen vor und nach dem Knoten führte. Die rechte Fahrspur in stadtwärtiger Richtung dient dem Geradeausfahren und dem Rechtsabbiegen in die Olbernhauer Straße.

4) Der CVAG liegen keine Erkenntnisse über Schäden an der Gebäudesubstanz entlang der Baustelle vor. Bezüglich der Umleitung für den Individualverkehr und damit komplizierteren Erreichbarkeit des Einkaufscenters hat es ein Gespräch mit dem Centerleiter gegeben, in dessen Ergebnis die Beschilderung zum Alt-Chemnitz-Center noch einmal verbessert werden konnte. Nach Abschluss der Baumaßnahmen ist außerdem vorgesehen, die Händler und Gewerbetreibenden des Alt-Chemnitz-Centers werblich im Weihnachtsgeschäft zu unterstützen.

5) Der Hauptsammler befindet sich in einem sanierungswürdigen Zustand. Konzeptionelle Vorplanungen haben gezeigt, dass eine Vergrößerung des Hauptsammlers aus hydraulischen Gründen erfolgen muss. Inwiefern eine Sanierung des vorhandenen Kanals unter Ergänzung eines neuen im Fahrbahnbereich zur Ausführung kommt oder der vorhandene stillgelegt und ein neuer, größerer in der Fahrbahn verlegt wird, steht noch nicht fest. Dies bedarf einer weiteren Planung. Mit der laufenden Baumaßnahme der CVAG werden lediglich die Kreuzungsbereiche mit der Olbernhauer Straße, der Marienberger Straße und der Zöblitzer Straße koordiniert – lediglich zur Vorbereitung, im Sinne einer für die Stadt gesamtwirtschaftlichen Lösung.

Mit freundlichen Grüßen
Miko Runkel
Bürgermeister