Städtebau-Studie der TU Chemnitz (RA-565/2015)

vom 3. Dezember 2015

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, eine neue städtebauliche Forschungsstudie der TU Chemnitz bilanziert, dass Schönheit nicht im Auge des Betrachters liegt oder individuell wahrgenommen wird, sondern vornehmlich im Objekt und Kontext begründet ist. „Städte sollten daher den Mut haben, Gestaltungssatzungen zu erlassen. […] Die Sanierung eines verwahrlosten Altbaus führt zu einem besseren ästhetischen Resultat als dessen Abriss und Errichtung eines [avantgardistischen] Neubaus.“ Inwiefern fließen diese Empfehlungen in die Arbeit der Stadtverwaltung und die zukünftige Innenstadtentwicklung ein?

Thomas Sänger

Antwort: Sehr geehrter Herr Sänger, zu Ihrer Frage nehme ich wie folgt Stellung:

Gemäß § 89 Abs. 1 SächsBO können die Gemeinden durch Satzung örtliche Bauvorschriften, z.B. über besondere Anforderungen an die äußere Gestaltung baulicher Anlagen sowie von Werbeanlagen und Warenautomaten zur Erhaltung und Gestaltung von Ortsbildern, erlassen.

Im Stadtgebiet existieren darauf gestützte Baugestaltungssatzungen in Euba, Grüna, Kleinolbersdorf/Altenhain und Mittelbach. Zu berücksichtigen ist in diesem Kontext auch immer, dass entsprechende gestalterische Festsetzungen zwar der Stadtbildpflege dienen, sie schränken aber die Baufreiheit ein. Aus diesem Grunde müssen die baugestalterischen Absichten einer sachgerechten Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an einer ästhetischen Baugestaltung und dem privaten Interessen der Eigentümer an einer individuellen Bauausführung folgen.

Für einen gestalterisch relevanten innerstädtischen Bereich existiert die Satzung der Stadt Chemnitz über Anforderungen an Werbeanlagen und Warenautomaten (Werbesatzung).

Des Weiteren können gemäß § 89 Abs. 2 SächsBO örtliche Bauvorschriften auch durch Bebauungsplan erlassen werden. Von dieser Möglichkeit hat die Stadt in diversen B-Plänen Gebrauch gemacht.

Die von Ihnen zitierte Forschungsstudie, deren Ergebnisse sich aus einer Befragung der TU Chemnitz im Großraum München ableiten, plädiert u.a. für den Erhalt der innerstädtischen Altbau-Gebäudesubstanz. Für die Chemnitzer Innenstadt ist diesbezüglich festzustellen, dass die Altbau-Gebäudesubstanz durch die Bombardierung im März 1945 großflächig zerstört wurde. Bestehende, homogene Altbau-Ensembles sind in der Innenstadt nur noch vereinzelt, z.B. im Bereich der Theaterstraße im Anschluss an die Jugendherberge der eins, vorhanden. Die entsprechenden Gebäude stehen im Regelfall unter Denkmalschutz, der auch einen gewissen Umgebungsschutz beinhaltet.

Was Neubauten in der Innenstadt anbelangt, liegen diese häufig im Geltungsbereich eines Bebauungsplans. Hier hat die Stadt die Möglichkeit, örtliche Bauvorschriften zu verankern, wie dies z.B. beim B-Plan Nr. 11/13 „Waisenstraße Südseite“ der Fall war. Des Weiteren macht die Stadt Chemnitz an städtebaulich hervorgehobenen Standorten von der Möglichkeit Gebrauch, ein ästhetisches Resultat mittels Durchführung von Architekturwettbewerben sicherzustellen.

Auch zukünftig werden – wenn es der Standort verlangt – die örtlichen Bauvorschriften mit einem entsprechenden Bebauungsplan verbunden. Eine eigenständige kommunale Gestaltungssatzung für die Innenstadt ist derzeit nicht vorgesehen.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Stötzer
Bürgermeister