Tourismusmarketing und Wirtschaftsregion (RA-070/2016)

vom 5. Februar 2016

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, die Stadt Chemnitz/CWE ist zum 31.12.2014 aus dem Landestourismusverband Sachsen (LTV) ausgetreten. Daher bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen:
1) Warum arbeitet man nicht mit dem Umland, wie zum Beispiel dem Erzgebirge oder Zwickau zusammen, wie es Dresden und die Elbregion machen?
2) Die TU Chemnitz kooperiert seit langem mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Inwiefern ist auch ein „Städtebund“ denkbar, um die Wirtschaft und den Tourismus zu stärken?
3) Welche Möglichkeiten/Pläne gibt es für eine „grenzüberschreitende“ Zusammenarbeit mit erzgebirgischen Städten in Tschechien oder bspw. Altenburg, was zwar in Thüringen liegt, aber eigentlich auch zur Region gehört?
4) Wie bewerten Sie das vergangene Mitgliedsjahr in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland?

Thomas Sänger

Antwort: Sehr geehrter Herr Sänger, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen unter anderem auf Basis einer Zuarbeit von der CWE Folgendes mit:

1) Die Zusammenarbeit mit Partner aus dem Umland ist vor allem dann erstrebenswert, wenn dadurch gemeinsame Themen vermarktet oder gleiche Zielgruppen angesprochen werden und somit Ressourcen und Budgets optimal eingesetzt werden können. Zur Verbesserung der touristischen Vermarktung werden derzeit Kooperationsmöglichkeiten geprüft. Mögliche Partner sind das Erzgebirge, Zwickau, Zwickauer Land sowie ein Teil des Landkreises Mittelsachsen. Im Rahmen der Prüfung zeigen sich etliche Schnittstellen zwischen den Chemnitzer Vermarktungsthemen und Zielgruppen und denen von Zwickau, Zwickauer Land und Landkreis Mittelsachsen, so zum Beispiel bei der Industriekultur, Kultur, Burgen und Schlösser. Derzeit finden regelmäßige Gespräche mit den Beteiligten statt, um gemeinsame Themenfelder zu definieren und die Zusammenarbeit erfolgreich gestalten zu können.

2) Wie unter 1. dargestellt, werden für die touristische Vermarktung gemeinsame Themen für Chemnitz und Zwickau definiert, die dann die Basis für eine weitere Zusammenarbeit sind. Im Rahmen der Wirtschaftsförderung findet bereits ein regelmäßiger Austausch mit Zwickau statt. Die Zusammenarbeit über konkrete Projekte erscheint dabei zielführender als ein rein formaler Städtebund.

3) Das Zwickauer Land arbeitet bereits jetzt mit der Region Altenburg zusammen, so dass es sich anbietet, auch hier nach gemeinsamen Ansätzen zu suchen. Fakt ist aber auch, dass Bundeslandgrenzen stärker trennen als zunächst angenommen. Das Altenburger Land hat als benachteiligte, eher strukturschwache Region erheblich darum zu kämpfen, im Freistaat Thüringen überhaupt wahrgenommen zu werden und sich als Wirtschaftsraum zu emanzipieren. Die dort handelnden Akteure favorisieren daher aktuell eher die Nähe zum Landkreis Leipziger Land, wo die Wirtschaftsförderer bereits seit Jahren im Informationsaustausch stehen und gemeinsame Projekte anstreben.

Die CWE favorisiert grundsätzlich die Bedürfnisse der Unternehmen als Ausgangspunkt von Kooperationen. Eine wichtige Grundfrage ist dabei: wo verlaufen Wertschöpfungsketten, wo existieren Zuliefererstrukturen und wo konzentrieren sich womöglich die Kunden für die Chemnitzer Industrie. Je nach Rahmenbedingungen kann dann eine intensivere Zusammenarbeit mit diesen Regionen fruchtbar sein. Dies konnte bisher für Tschechien mit einem eher strukturschwachen Böhmen ebenso wenig festgestellt werden wie für das Altenburger Land. Das heißt nicht, dass aufgrund geänderter Rahmenbedingungen durch positive Wirtschaftsentwicklung nicht doch eine Zusammenarbeit möglich ist, sondern uns bisher nur sehr bedingt unternehmerisches Interesse mit konkretem Handlungsbedarf gespiegelt wird. Speziell Altenburg bleibt für die CWE ein interessanter Standort zwischen den Wirtschaftsregionen Chemnitz/Zwickau und Leipzig/Halle, deren Entwicklung wir weiterverfolgen.

4) Die Metropolregion Mitteldeutschland hat sich nach Austritten von Städten wie Magdeburg oder Dresden in einem längeren Findungsprozess schließlich mit der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland zusammengeschlossen und sich als Verein im letzten Jahr neu aufgestellt. Eine diesbezügliche erste Mitgliederversammlung und Wahlen für die Gremien fanden Ende April 2015 statt. In der zweiten Jahreshälfte wurden schließlich schrittweise neue Arbeitsgruppen initiiert. Inwieweit sich die Metropolregion Mitteldeutschland in Zukunft erfolgreich und vor allem sichtbar und gewinnbringend für die einzelnen Mitglieder aufstellen kann, bleibt noch abzuwarten.

Der Stadtrat hat in der Sitzung vom 17. Dezember 2014 die Mitgliedschaft und damit den Verbleib in der Metropolregion beschlossen sowie auch eine zu erstellende Evaluation bezüglich der Vor- und Nachteile der Mitgliedschaft, die dem Stadtrat bis Ende 2017 vorzulegen ist. Es ist im Zuge der Neuausrichtung entsprechend noch zu früh, sich hier bereits eine Einschätzung zu erlauben.

Freundliche Grüße
Barbara Ludwig