Tierparkkonzepte (RA-277/2016)

vom 10. August 2016

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, wir bitten um die Beantwortung folgender Fragen:
1) „Der Tierpark Chemnitz ist ein Artenschutz-Zoo.“ (B-364/2014, Anlage 3, S. 6) Warum nennt er sich weiterhin nur Tierpark und nicht Zoo?
2) „Ebenso müssen Tierpark und Wildgatter besser in das Marketingkonzept der Stadt eingebunden werden.“ (ebenda, S. 5) Welche Schritte wurden seitdem insbesondere von der CWE umgesetzt und wie hoch war/ist das Budget für entsprechende Marketingmaßnahmen?
3) Wie viele Tierpfleger, Pädagogen und Gärtner (bitte differenziert darstellen) sind im Tierpark/Wildgatter beschäftigt? Wie viele waren es vor drei Jahren und wie viele wären wünschenswert? Wie haben sich die Personalkosten entwickelt?
4) Warum sind für den Tierpark und Botanischen Garten zwei unterschiedliche Dezernate zuständig, und wäre dafür ein städtisches Amt und gemeinsamer Standort nicht zielführender, oder sogar eine andere Betreiberform?
5) Was hat die Besucherbefragung (B-364/2014, Punkt 2) ergeben?
6) Welche Baumaßnahmen (B-078/2013, Anlage 6 / BR-006/2016) wurden/werden wie geplant umgesetzt oder vertagt? Wie viele Finanzmittel werden im Doppelhaushalt 2017/18 eingeplant oder können nicht berücksichtigt werden?

Dr. Roland Katzer, Falk Müller, Thomas Sänger

Antwort: Sehr geehrte Herren, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen im Auftrag der Oberbürgermeisterin Folgendes mit:

1) Der Tierpark ist nach der „Richtlinie 1999/22/EG des Rates über die Haltung von Wildtieren in Zoos“ als Zoo definiert. Eine Unterscheidung der Begriffe Zoo, Tierpark oder Tiergarten ist nach dieser Richtlinie, wie auch im englischen Sprachgebrauch, nicht relevant. Sie bezeichnen, traditionell gewachsen, die Landschaft, Gestaltung und Lage einer Einrichtung. Der Tierpark Chemnitz kann sich also als Zoo bezeichnen, ohne sich umbenennen zu müssen. Eine Umbenennung würde immense Kosten verursachen, die Besucher verwirren und hat keine Bedeutung für die Ausrichtung oder Bedeutung einer Einrichtung.

2) Die CWE bewirbt den Tierpark in der Stadtinformation. Das Budget des Tierparks für „Öffentliche Bekanntmachungen“ beläuft sich jährlich auf rund 18.000 €. Hiervon werden alle Veranstaltungen, Werbemaßnahmen und Veröffentlichungen bestritten.

3) Im Tierpark sind 22 Tierpfleger (davon 3 für das Wildgatter), 1 Gärtner und kein Pädagoge angestellt. Vor drei Jahren waren es 20 Tierpfleger, 1 Gärtner und kein Pädagoge. Die Personalkosten sind dementsprechend sowie durch Tarifanpassungen gestiegen. Wünschenswert wären zusätzlich, wie im Entwicklungskonzept beschrieben, ein Zoopädagoge sowie ein zweiter Gärtner.

4) Die Zugehörigkeit zu zwei unterschiedlichen Dezernaten fußt auf unterschiedlichen Aufgabengebieten und der Geschichte beider Einrichtungen. Die dezernatsübergreifende Zusammenarbeit ist unkompliziert und sehr gut. Der Tierpark hat auch mit anderen Ämtern, die nicht im eigenen Dezernat liegen, viele Schnittmengen.

Tierpark und Botanischer Garten haben unterschiedliche Strukturen und unterschiedliche Aufgaben, die nicht zu integrieren sind, und ihre Daseinsberechtigung als eigenständige Einrichtungen. Es ist nicht Aufgabe eines Zoologischen Gartens, Botanik zu betreiben und erweiterten Schulgartenunterricht mit Haustieren anzubieten. Die Hauptaufgabe des Zoos ist der Artenschutz. Es werden, bis auf wenige Ausnahmen, Wildtiere gehalten, die ihr natürliches Verhalten, soweit das in Menschenobhut und unter Zoobedingungen möglich ist, leben und zeigen sollen, ohne direkten Kontakt zum Menschen. Darin liegt auch die hauptsächliche Bildungsaufgabe eines Zoos, nicht im Vermitteln des direkten Umganges mit Haustieren. Ein Zoologe kann keinen Botanischen Garten leiten und ein Botaniker keinen Zoo.

Eine organisatorische Zusammenlegung von Botanischem Garten/Schulbiologiezentrum und Tierpark bringt keine Einsparungs- und Synergieeffekte, dies wurde bereits mehrfach untersucht. Eine Verlagerung einer der beiden Einrichtungen ist unsinnig und auch nicht durchführbar. Es wurde sich auch bereits in den 1950er Jahren aus Platzgründen gegen eine Einrichtung eines Tierparks im Küchwald entschieden, der Tierpark seinerseits liegt inmitten Wohnbebauung und es gibt kaum Erweiterungsmöglichkeiten für ihn selbst. Diese Fragen werden dennoch bei der Erweiterung des Entwicklungskonzeptes abschließend betrachtet werden.

5) Nach Abschluss der Befragung über die Gastronomie wurde die Erweiterung des Entwicklungskonzeptes beschlossen. Im Rahmen der weiteren strategischen Ausrichtung des Tierparks Chemnitz wird dieses Thema dabei mit einfließen.

6) Es wird bei der Planung der Baumaßnahmen und der Haushaltsmittel nach dem Entwicklungskonzept (B-364/2014) vorgegangen. Natürlich ergeben sich, wie auch stets erläutert, Notwendigkeiten und Bedingungen, die Verschiebungen oder Austausch von Maßnahmen bedingen.

Die Maßnahmen Umbau Katzenring (Nr. 1) und Neubau Stallung/Außenanlage Kulan (Nr. 3) werden dieses Jahr abgeschlossen, Maßnahme 2 (Hirschstall) konnte vergangenes Jahr zur Vollendung gebracht werden. Derzeit erfolgt die Planung für die Maßnahme 4 (Flamingohäuser). Für den Doppelhaushalt 2017/18 konnten die Umsetzung der Maßnahme 4 sowie Planung und Umsetzung der Maßnahme 8 (Stallanlagen Anoa) sowie notwendige Maßnahmen im Werterhalt (z. B. Nr. 7, Kamelgehege) erfolgreich in die Planung eingebracht werden. Keine Berücksichtigung findet derzeit die Sanierung des Verwaltungsgebäudes und Umbau des Erdgeschosses zur Tierparkschule (Nr. 13 und 19), die Übernetzung der Flamingoanlage sowie der Umbau der Wasservogelanlage inkl. Überspannung (Nr. 15).

Für Investitionen sollen im Doppelhaushalt 2017/18 insgesamt 285 T€ und für laufende Unterhaltung und Instandhaltung der Gebäude und Anlage ein Betrag von 389 T€ eingestellt werden.

Freundliche Grüße
Miko Runkel
Bürgermeister

Nachfrage RA-311/2016