Getreidemarkt und Brühl (RA-266/2017)

vom 20. Juni 2017

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:
1) Warum wollte die GGG das nunmehr an einen privaten Investor ausgeschriebene Grundstück am Getreidemarkt nicht selbst bebauen und vermieten?
2) Warum orientiert sich der in den Medien veröffentlichte Entwurf nicht an historischen Grundrissen und der Umgebungsbebauung?
3) Darüber hinaus hat Prof. Friedrich Thießen von der TU Chemnitz erst kürzlich davor gewarnt, dass der „moderne“ Bauhaus-Stil mit Flachdächern problematisch und nicht zukunftsfähig sei. „Ich rechne mit weitaus schlechterer Wertentwicklung als bei klassischen Typen mit Spitzdach oder bei Gründerzeithäusern“, sagte er am 04.06.17 gegenüber der Freien Presse. Warum werden stadtplanerische Empfehlungen der Technischen Universität Chemnitz von der Stadtverwaltung scheinbar ignoriert?
4) Dass die geplante Sanierung des Punkthochhauses an der Georgstraße wiederum von der GGG ausgeführt wird, ist zwar positiv, widerspricht aber im Ergebnis dem Masterplan Brühl, der dort eine Karreebebauung vorgesehen hätte. In Ihrer beantworteten RA-218/2017 heißt es: „Eine vollständige Entmietung mit nachfolgendem Abriss eines zu fast 100 Prozent vermieteten Wohngebäudes – und nur um an gleicher Stelle etwas Anderes zu bauen, weil ein Konzept aus Vorjahren das so vorsah – ist weder sozial vertretbar noch politisch umsetzbar.“ Für mich stellt sich daher die Frage: Wie hoch sind die Sanierungskosten für das Punkthochhaus, mit welcher Mietsteigerung wird für das Objekt nach der Sanierung geplant, und inwiefern gibt es eine Mietpreisgarantie? Denn mit Blick auf Ihre Antwort müssen die soziale Vertretbarkeit und politische Umsetzbarkeit auch für die Mietkosten gelten, die nach einer Sanierung in aller Regel ansteigend zu erwarten sind.
5) Wer hat wann entschieden, die Karreebebauung nördlich der Georgstaße aufzugeben und südlich davon weiter daran festzuhalten, obwohl sich auch dort größtenteils vermietete Wohngebäude und zudem eine potenzielle Freifläche für das Regenüberlaufbecken befinden?

Thomas Sänger

Antwort: Sehr geehrter Herr Sänger, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen im Auftrag der Oberbürgermeisterin Folgendes mit:

1) Die vorrangige Aufgabe der GGG ist es Mietwohnungen im niedrigeren Preissegment bereitzustellen. Dies lässt sich kalkulatorisch auf diesem Baufeld auf Grund der Rahmenbedingungen nicht gewährleisten. Ein vielfältigeres Feld an Akteuren bereichert zudem die Innenstadtentwicklung.

2) Der Getreidemarkt besteht aus Gebäuden unterschiedlicher historischer bis moderner Bauepochen. Es ist eine große Bandbreite an Gebäuden anzutreffen, aus den 10-er, 20-er, 50-er, 60-er, 70-er und den 90-er Jahren. Ebenso sind historische Grundrisse (z.B. Baustile aus der Frühphase der Stadt wie Gotik oder Renaissance, aber auch die spätere Gründerzeit) nicht bzw. kaum mehr ablesbar. Ein einheitliches Epochen- bzw. Gestaltungsmuster besteht nicht, somit ist die Frage nach der richtigen historischen Bebauung nicht besonders sinnvoll oder objektiv zu beantworten. Die Umgebung des Getreidemarktes ist auch von modernen Gebäuden geprägt. Eine vom Bauherren bevorzugte, ebenso moderne Bebauung kann daher nachvollzogen werden.

3) Theoretische/philosophische Betrachtungen zu unterschiedlichen Bauweisen gibt es, seitdem die Menschheit schöpferisch Bauwerke errichtet und nicht erst seit aktuellen Untersuchungen. Die aktuelle Studie bereichert und ergänzt dieses Themenfeld ebenso, wie viele andere auch. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass es auch in Zukunft weitere neue Untersuchungen von anderen Universitäten z.B. mit Lehrstühlen für Architektur und Städtebau geben wird. Keine dieser Beiträge wurde oder wird von der Stadtverwaltung ignoriert.

Mit jeder dieser Arbeiten setzt sich die Verwaltung interessiert auseinander. Hierbei sind auch unterschiedliche Meinungen unter den Verfassern festzustellen. Dies liegt vor allem daran, dass es eben keine allgemeingültige einzig richtige Bauform gibt. Bezogen auf den Standort Getreidemarkt unterstreicht dies insbesondere ein historisches Gebäude – die heutige Jugendherberge (ehemals städtisches Transformatorenwerk von 1929). Dieses denkmalgeschützte Bauwerk hat mit einem Flachdach auch heute noch seinen gestalterischen Anspruch und seine Berechtigung. Auch bieten moderne Flachdächer im innerstädtischen, stark verdichteten Bereich den Vorteil, als Gründach mit Bepflanzungen in stadtökologischer Sicht positiv zu wirken.

4) Für die Sanierung plant die GGG mit Investitionen in Höhe von 3,1 Mio. €. Nach Abschluss der Sanierung wird sich das Mietniveau im sozial verträglichen Bereich bewegen, so dass auch weiterhin Wohnungsangebote innerhalb der Grenzen der KdU-Richtlinien vorhanden sind. Je nach Größe bedeutet dies pro Wohnung eine voraussichtliche Nettoerhöhung von ca. 3,60€/Monat (entspricht einer Steigerung von 1,4%) bis ca. 8,40€/Monat (entspricht einer Steigerung von 1,8%). Weitere Mietpreissteigerungen plant die GGG gegenwärtig nicht.

5) Eine Karreebebauung im Bereich des Brühls ist nach wie vor das langfristige Ziel der Stadt. Die zeitliche Umsetzung richtet sich aber nach den realistischen Bedarfen und aktuellen Entwicklungen aus. Flächen für ein Regenüberlaufbecken spielen hierbei gegenwärtig keine Rolle.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Stötzer
Bürgermeister