Neue Johannisvorstadt mit alten Fehlern

vom 20. September 2017

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 20. September mit großer Mehrheit (41:4 bei einer Enthaltung) den Grundsatzbeschluss zum Verkauf der städtischen Baufelder E3 und E4 verabschiedet. AfD-Stadtrat Thomas Sänger hat aus folgenden Gründen nicht zugestimmt: „Selbstverständlich befürworte ich eine städtebauliche Weiterentwicklung dieser beiden Brachflächen im Herzen unserer Stadt, und auch die Erlöse in Höhe von 8,2 Millionen Euro mögen der Forderung und den umliegenden Bodenrichtwerten mehr als entsprechen, aber auf dem zweiten Blick befürchte ich eher ein Verlustgeschäft für die Stadt! Nicht umsonst stand auch eine Beschlussvorlage über „Grundsätze für Geldanlagen der Stadt Chemnitz“ auf der Tagesordnung, bedingt durch die Niedrigzinspolitik der EU und den Wegfall der Einlagensicherung. Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt oder die GGG als hundertprozentige Tochtergesellschaft selbst in die Grundstücke investiert. Das wäre doch nun wirklich eine sichere Anlagestrategie mit einer langfristig guten Rendite gewesen, und die Stadtgesellschaft hätte weiterhin einen direkten Einfluss auf die Nutzungskonzepte und architektonische Gestaltung gehabt.

Ein Parkhaus mag zwar ein logischer Ausgleich für die wegfallenden Stellplätze und neuen Anlieger sein, ist aber auch eine weitere Bausünde. An solchen „toten Flächen“ krankt die Belebung der Innenstadt schon zur Genüge! Und ob ein weiteres Hotel dem Markt gut tun wird, bezweifle nicht nur ich stark, sondern auch viele ansässige Hoteliers, die schon jetzt mit geringen Auslastungsquoten zu kämpfen haben. Darüber hinaus kritisiere ich neben der zu erwartenden „modernen Großblockbauweise“ auch, dass die Bahnhofstraße weiterhin wie eine Barriere wirken wird. Nur ein Lückenschluss des Innenstadtrings von der Zschopauer Straße zum Dresdner Platz könnte für die notwendige Entlastung und ein Zusammenwachsen mit der bisherigen City sorgen! Und letztlich liegen die Flächen schon so lange brach, dass man auch noch zwei, drei Jahre länger hätte warten können, denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele Investoren neue Objekte suchen und höhere Preise möglich wären, nachdem auch die letzten lukrativen innerstädtischen Flächen in Leipzig und Dresden bebaut worden sind. Mir scheint es, dass gezielt Wert darauf gelegt wird, dass sich die Kräne noch in den Jahren 2019/2020 drehen sollen, wenn der Stadtrat und Oberbürgermeisterposten neu gewählt werden.“