Schadstoffmessungen in öffentlichen Gebäuden (BA-041/2015)

vom 27. August 2015

Die Stadtverwaltung soll in der Ratssitzung am 23. September beauftragt werden, etappenmäßig Schadstoffmessungen in allen öffentlichen Gebäuden durchzuführen, insbesondere in Kitas und Schulen, und die Ergebnisse ab 2016 halbjährlich in einer Informationsvorlage darzustellen.

Begründung: Schadstoffprüfungen nur punktuell und bei entsprechenden Anhaltspunkten vorzunehmen (siehe RA-203/2015), wird der versteckten Gefahr durch Naphthalin, Phthalaten (DEHP), polychlorierten Biphenylen (PCB) und anderen chemischen Verbindungen nicht gerecht. Obwohl die Verwendung von DEHP und PCB inzwischen verboten ist, existieren immer noch „Altlasten“, und auch in sanierten oder Neubauten mitsamt den Einrichtungsgegenständen können kritische gesundheitsgefährdende Werte erreicht werden. Außerdem weisen viele Schulcontainer im Bundesgebiet erhebliche Konzentrationen von Formaldehyd auf.

Anfang des Jahres hat der TÜV Rheinland folglich Alarm geschlagen: „Ein Hauptproblem sei die Belastung der Schulen und Kitas mit Schadstoffen, die selbst in neuen und sanierten Bauten immer wieder nachgewiesen werden.“ Das ZDF berichtet von einem aktuellen Fall aus Thüringen, und Die Welt kritisiert: „Die PCB-Belastung in Kindergärten, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden Nordrhein-Westfalens ist auch Jahrzehnte nach dem Verbot des Giftstoffs nicht vollständig gelöst. […] Auch bei Asbest, Formaldehyd, gesundheitsschädlichen Mineralfasern und anderen Schadstoffen gibt es nach Ansicht der Experten noch Handlungsbedarf.“

Stellungnahme der Verwaltung: Die Innenluftqualität unterliegt multiplen Einflüssen (u.a. Außenluft, menschliche Aktivitäten, wie Rauchen, Deo, Reinigungsmittel, Raumausstattung/Möblierung, Bauuntergrund, Baumaterialien etc.). Aus fachlicher Sicht ist daher eine ebensolche differenzierte Vorgehensweise geboten. Bei Schadstoffmessungen in öffentlichen Gebäuden sollte nicht pauschal sondern mit der erforderlichen Verhältnismäßigkeit vorgegangen werden, wobei die Sinnhaftigkeit in erster Linie von einer fachspezifischen Begründung, aber auch von den personellen und apparativen Aspekten getragen werden sollte.

Im Ergebnis der seit 1984 (Richtwert-Empfehlungen der Innenraumlufthygiene-Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes; heute ad-hoc-Arbeitsgruppe des Umweltbundesamtes und der Arbeitsgemeinschaft der Oberen Landesgesundheitsbehörden = Ad-hoc-AG IRK/AOLG, Veröffentlichung: Bundesgesundheitsblatt 2007, 50:990-1005) interdisziplinär durchgeführten vielfältigen Forschungsaktivitäten zeigt sich, dass es für eine sinnvolle Bewertung einer Innenraumsituation nicht genügt, die Konzentrationen von Innenraumverunreinigungen isoliert zu betrachten. Hierbei muss das komplexe Zusammenspiel vieler Einflussfaktoren berücksichtigt werden, was grundsätzlich eine einzelfallbezogene Vorgehensweise nach sich zieht.

Darüber hinaus weisen Fachexperten der Umweltmedizin trotz aller modernen Messmöglichkeiten im Innenluftbereich darauf hin, dass die vielfältigen Wechselwirkungen der die Raumluft beeinflussenden Faktoren sowie die große Variationsbreite menschlicher Reaktionen bewirken, dass auch die Einhaltung der für die einzelnen Stoffe heutzutage existierenden Richtwerte noch keine absolute Gewähr für einen beschwerdefreien Aufenthalt in einem Innenraum bieten kann.

Im Ergebnis ist festzustellen, dass selbst etappenmäßige Schadstoffmessungen in allen öffentlichen Gebäuden keine Gewähr für eine Schadstofffreiheit bieten können. Unabhängig davon bietet auch die personelle und apparative Ausstattung hierzu nicht die Möglichkeit. Grundsätzlich wird daher eine einzelfallbezogene Vorgehensweise favorisiert, die bereits in der Vorbereitung von Komplettsanierungen als auch von Sanierungen schadstoffrelevanter Bereiche Untersuchungen zu möglichen Belastungen beinhaltet. Gleiches gilt natürlich auch in Fällen, in denen konkrete Verdachtsmomente vorliegen. Bei Neubauten wird prinzipiell in der Planung und Bauausführung auf die Einhaltung der entsprechenden DIN und einschlägigen Vorschriften geachtet.

Michael Stötzer
Bürgermeister