Verfehlte Grundsatzentscheidungen ausbaden

vom 24. November 2016

Der Chemnitzer Fußballclub befindet sich sportlich mehr oder weniger auf Kurs, aber in finanziellen Schwierigkeiten. Von der Stadt und kommunalen Eigengesellschaften werden nunmehr Hilfsleistungen erwartet, nachdem bereits 27 Millionen Euro in ein neues Stadion geflossen sind. „Wäre unsere Fraktion damals schon bei der Grundsatzentscheidung im Stadtrat vertreten gewesen, hätten wir uns wahrscheinlich für das Sportforum entschieden und eine Multifunktionsarena“, blickt AfD-Stadtrat Falk Müller zurück. „Alle Stadionkritiker werden sich jetzt leider bestätigt fühlen, und in der Tat war es ein eklatanter Fehler, dem CFC ein reines Fußballstadion zu bauen, ohne dass auch andere Sportvereine von den Investitionen profitieren konnten. Jetzt aber hat die Stadt und haben wir als neugewählte Stadträte praktisch keine andere Möglichkeit, den Verein mit allen Mitteln am Leben zu erhalten, denn ein leerstehendes Stadion würde weitere Mehrkosten verursachen und erst recht niemandem helfen. Außerdem muss man sagen, dass auch das städtische Theater mit 27 Millionen Euro bezuschusst wird – und zwar jährlich.“

Der Zuschauerschnitt ist trotz Neubau unter den Erwartungen geblieben, was nahezu einzigartig in Deutschland sein dürfte, und auch die Einnahmen durch Sponsoren scheinen nicht gestiegen zu sein. „Der CFC hat es über die Jahre versäumt, Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen und seine Strukturen zu professionalisieren“, kritisiert Lutz Bartel, AfD-Fraktionsgeschäftsführer und nach dem Abstieg 2006 bis Ende 2013 selbst beim CFC im PR-Bereich aktiv. „Stattdessen wurde eine externe Marketingagentur verpflichtet, was bei unserer klein- und mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur wenig Sinn macht, während verdienstvolle, ehrenamtliche Mitarbeiter trotz Rückkehr in den Profifußball 2011 nicht fest angestellt wurden. Der Rücktritt von Cheftrainer Gerd Schädlich im Herbst 2013 war letztlich auch ein Alarmsignal für die Fehlentwicklungen im Verein, die aktuell ihren Tiefpunkt erreicht haben. Hoffentlich geht es nicht noch weiter abwärts.“