Problemlösung statt Innenstadtmarketing!

vom 10. Februar 2017

Die AfD-Fraktion hat sich in der vergangenen Stadtratssitzung zum Doppelhaushalt bewusst gegen den Antrag einer „Intensivierung der Innenstadtvermarktung“ ausgesprochen. 2017 werden demnach 75.000 Euro eingeplant und 150.000 Euro in 2018. „Unabhängig davon, dass ich die Gewinnabführung der GGG an die Stadt als Kostendeckungsvorschlag fragwürdig halte, nützt es meiner Meinung nach sehr wenig, die Innenstadt zwar besser vermarkten zu wollen, aber an den grundsätzlichen Problemen nichts zu ändern“, kritisiert AfD-Stadtrat Thomas Sänger. „Viele meiner Freunde und Bekannten meiden das Zentrum, weil das „subjektive Sicherheitsgefühl“ in den letzten Jahren schlechter geworden sei – und die beinahe täglichen Berichte über irgendwelche Vorfälle oder Polizeirazzien bestätigen diesen Eindruck, auch wenn Kriminalitätsstatistiken das Gegenteil behaupten. Aber mit Zahlen ist das so eine Sache: Laut Kassenärztlicher Vereinigung haben wir ja schließlich auch keinen Ärztemangel, obwohl insbesondere viele Neu-Chemnitzer ganz einfach keinen neuen Hausarzt finden – von den langen Wartezeiten bei Fachärzten ganz zu schweigen. Aber das ist ein anderes Thema.

Die zweite Tatsache, weshalb viele Leute lieber auf der „grünen Wiese“ am Stadtrand einkaufen gehen und nicht im Zentrum, sind die kostenlosen Parkmöglichkeiten dort. Auf dem Weg in die Innenstadt jedoch werden die Autofahrer durch die „Beschleunigung des Öffentlichen Nahverkehrs“ ausgebremst, finden nur mühsam eine Parkmöglichkeit, weil das elektronische Parkleitsystem seit Jahren defekt ist, und müssen diese Suche dann auch noch teuer bezahlen. Sofern sich die privaten Parkhaus- und Tiefgaragenbetreiber und die verschiedenen innerstädtischen Einzelhändler und Interessenvertretungen nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen und mit einer Stimme sprechen können, läuft ein finanziell intensiviertes Innenstadtmarketing ins Leere. Gleichwohl wäre ein professionelles „City-Management“ natürlich wichtig, was aber eigentlich im Portfolio der CWE liegen sollte.

Und zu guter Letzt muss die stagnierte Innenstadtbebauung wieder an Dynamik und Kreativität, Qualität und Ästhetik gewinnen. Eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln zeigt, dass Konsummöglichkeiten nicht alles sind: „Die Städte müssen sehen, was sie besonders auszeichnet, und das betonen. Der Einheitsbrei hat in Zukunft keine Chance. Es reicht nicht, die immer gleichen Filialketten zu haben.“ Will auch Chemnitz endlich gefühlt zu einer Großstadt werden, kann man sich keine Denkverbote leisten, sondern muss architektonisch einzigartige Perspektiven ermöglichen.“