Verarbeitendes Gewerbe (RA-117/2018)

vom 13. Februar 2018

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:
1) Wie viele Firmen des verarbeitenden Gewerbes haben sich in den vergangenen fünf Jahren in Chemnitz (ohne Standortwechsel innerhalb der Stadt) neu angesiedelt oder sind aus welchen Gründen abgewandert?
2) Wie viele entsprechende Arbeitsplätze sind jährlich entstanden oder verloren gegangen, und wie viele insgesamt im genannten Bereich gibt es aktuell?
3) Wie viele Gewerbeflächen (in ha) entfallen auf das verarbeitende Gewerbe und stehen potenziell (unter Angabe der Gewerbegebiete) zur weiteren Verfügung?

Falk Müller

Antwort: Sehr geehrter Herr Müller, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen im Auftrag der Oberbürgermeisterin Folgendes mit:

1) Eines der wichtigsten Ziele der CWE ist es, expandierende Unternehmen in Chemnitz zu halten, Neugründungen zu ermöglichen oder gewerbliche Investitionen in der Stadt zu unterstützen. Die Entwicklungen auf den kommunalen Gewerbegebieten vollziehen sich fast ausschließlich durch das Wachstum von Bestandsunternehmen und deren Investitionsvorhaben auf den Gewerbegebieten. Die von der CWE begleiteten Vorhaben ergeben sich zum Teil aus den Verkäufen von kommunalen Gewerbegrundstücken. Als Beispiel für eine Ansiedlung aus dem Umland ist hier die Firma DeSonic GmbH oder das Schilderwerk Beutha (welches einen zusätzlichen Standort in Chemnitz eröffnete) zu nennen. Bei der Vielzahl an kleinen und mittleren Unternehmungen ist es den Beteiligten (IHK, HWK und CWE) leider nicht möglich von jeder Neugründung, Ansiedlung aber auch von Gewerbe-An- und Abmeldungen im Detail Kenntnis zu erlangen.

2) Entsprechend dem „Regionalreport über Beschäftigte – Kreise und Agenturen für Arbeit (Quartalszahlen und Zeitreihen) – Sachsen“ welcher durch die Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellt wird, sind folgende Daten zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im bekannt:

Stichtag: sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt / im verarbeitenden Gewerbe / Anteil an der Gesamtsumme in Prozent
– 30.06.2017: 115.677 / 16.978 / 14,7
– 31.12.2016: 114.799 / 16.984 / 14,8
– 31.12.2015: 113.205 / 17.095 / 15,1
– 31.12.2014: 111.540 / 17.339 / 15,5
– 31.12.2013: 111.247 / 17.246 / 15,5

Bei einer Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Chemnitz darf nicht allein die Entwicklung der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe betrachtet werden. Eine Wertschöpfung dieser Unternehmen ist ohne die interne oder externe Verknüpfung und Zusammenarbeit mit weiteren Branchen (z.B. Engineering oder IT-Branche) kaum noch möglich.

3) Die Stadt Chemnitz verfügt insgesamt über ca. 250 ha kommunaler Gewerbeflächen in ausgewiesenen Gewerbegebieten. Ein Großteil dieser Gebiete/Flächen ist bereits an produzierende und produktionsnahe Gewerbe veräußert. Aktuell stehen noch ca. 74 ha für eine Vermarktung zur Verfügung. Die Wirtschaftsstruktur der Stadt ist geprägt durch einen hohen Anteil an mittelständischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Der Schwerpunkt liegt dabei u.a. auf dem Maschinen- und Sondermaschinenbau, der feinmechanischen Industrie sowie der Automobilzulieferer. Aber auch Unternehmen aus dem Bereich Engineering sowie der IT-Branche sind in Chemnitz stark vertreten. Die durch diesen Bereich erbrachten unternehmensnahen Dienstleistungen werden vom verarbeitenden Gewerbe zwingend benötigt. Diese Nähe in der Wertschöpfung ist ein wesentliches Attraktivitätsmerkmal bei der Vermarktung von Gewerbeflächen. Weiterer Schwerpunkt ist der Bereich Forschung und Technologie, welcher durch die Technische Universität und die angeschlossenen Institute abgebildet wird. Chemnitz gilt hierbei auch als Wissenschaftsstandort für international renommierte Forschungseinrichtungen und Technologiebetriebe.

Eine strikte Trennung nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige (z.B. Verarbeitendes Gewerbe, Metall- und Elektroindustrie sowie Stahlindustrie oder auch Information und Kommunikation) wird hierbei durch die CWE nicht vorgenommen. Aus diesem Grund wird eine Entwicklung und Wertschöpfung in mehr als nur einer Branche abgebildet und kann nicht allein am verarbeitenden Gewerbe abgelesen werden. Ein wichtiges Kriterium bei der Ansiedlung von Unternehmen ist weiterhin die Quantität und Qualität der Arbeitsplätze welche durch die Investitionen geschaffen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Stötzer
Bürgermeister