Heizkraftwerk, Fernwärme (RA-181/2018)

vom 16. März 2018

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:
1) Wie viele Chemnitzer Haushalte sind aktuell an das Fernwärmenetz angeschlossen?
2) Inwiefern ist das Netz in Bezug auf Leistung und Infrastruktur überdimensioniert?
3) Welche Pläne/Studien gibt es für das Heizkraftwerk Chemnitz-Nord nach 2022?
4) Wie würde sich eine Außerbetriebnahme auf die Fernwärmeversorgung allgemein und die angeschlossenen Eigentümer im Speziellen (Gebührenhöhe, Umrüstungskosten) auswirken?
5) Inwiefern wäre die viel diskutierte Müllverbrennungsanlage eine Alternative?

Falk Müller

Antwort: Sehr geehrter Herr Müller, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen auf Basis einer Zuarbeit der eins energie in sachsen GmbH & Co. KG im Auftrag der Oberbürgermeisterin Folgendes mit:

1) An das Fernwärmenetz Chemnitz sind im Wesentlichen Haushaltskunden, öffentliche Gebäude und im geringeren Umfang industrielle Kunden angeschlossen. Die Fernwärmeversorgung in Chemnitz macht 39 % des Gesamtwärmemarktes aus.

2) Das Fernwärmeversorgungssystem der Stadt Chemnitz war im Jahre 1990 für ca. 1.000 MWth Fernwärmeerzeugung und -verteilung ausgelegt. An den Standorten in Altchemnitz im Süden der Stadt, dem HKW-Nord und dem HWK in Gablenz wurden insgesamt 1.000 MWth Erzeugerleistung betrieben. Das Fernwärmenetz mit einer Länge von 222 km ist so ausgelegt, dass es diese 1.000 MWth zu den entsprechenden Kundenanschlüssen transportieren konnte.

Der Wärmebedarf nach 1990 wurde maßgeblich durch den Rückgang der Abnahme aus der Industrie, Wärmedämmmaßnahmen und Gebäuderückbau beeinflusst. Derzeitig hat sich eine Wärmehöchstlast von 375 MW eingestellt, die sich in den Folgejahren auch nicht erhöhen wird. Die Erzeugung und Verteilung von Fernwärme in Chemnitz ist damit trotz der in den vergangenen Jahren vorgenommenen Anpassungsmaßnahmen überdimensioniert.

Es wurden Erzeugungskapazitäten stillgelegt und technologische Anpassungen vorgenommen. Das Fernwärmenetz wurde punktuell optimiert durch Anpassungen in der Netzstruktur und Fahrweise. Weitere Optimierungen mit der vorhandenen Technik sind nicht mehr zielführend, da eine Neuausrichtung in Richtung CO2-Minderung und regenerative Wärmeeinspeisung erfolgen muss, um den Klimazielen Rechnung zu tragen.

3) In den Jahren 2016 und 2017 wurde eine Studie erstellt, die den Umbau des Chemnitzer Fernwärmeversorgungsnetzes auf die neuen Rahmenbedingungen als Untersuchungsgegenstand hatte. Ziel war es, die Umstellung der Erzeugung von der braunkohlebasierten Kraft-Wärme-Kopplung hin zu gasbasierten KWK-Anlagen und regenerativen Wärmeerzeugungsquellen zu beschreiben unter Beachtung der Prämissen langfristig wirtschaftlich – flexibel und zukunftssicher – und somit emissionsärmer zu gestalten.

Im Ergebnis werden zwei Motorenkraftwerke und ein Holzheizkraftwerk bis 2022 errichtet, um danach im Jahre 2023 den ersten kohlegefeuerten Block dauerhaft außer Betrieb zu nehmen. Weitere Erzeugungseinheiten werden dann zwischen 2023 – 2029 errichtet, um den letzten kohlegefeuerten Block im Jahre 2029 ablösen zu klären.

4) Durch die schrittweise Außerbetriebnahme der kohlebasierten Erzeugungseinheiten und den Ersatz durch gasbasierte KWK-Anlagen wird die Versorgung der Kunden zu jedem Zeitpunkt der Umstrukturierung gesichert sein. Die eins energie in sachsen GmbH & Co. KG wird allein in der Erzeugung eine Summe von ca. 200 Millionen € investieren. Durch die schrittweise Umsetzung des Konzeptes über einen langen Zeitraum, welches auch die schrittweise Außerbetriebnahme der kohlebasierten Erzeugungseinheiten einschließt, wird eine moderate Preisentwicklung für die Fernwärme initiiert. Diese wird sich an die zu erwartenden Kostenentwicklungen anlehnen, die in der Studie aus den Prognosedaten für die Zukunft entwickelt wurden.

5) Eine EBS-Verbrennungsanlage würde keine Alternative für das Gesamtkonzept sein.

Freundliche Grüße
Sven Schulze
Bürgermeister