Jugendhilfe und Präventionsarbeit (RA-365/2018)

vom 21. Juni 2018

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:
1) Wie haben sich das Budget und die Personalkosten der Jugendhilfe bzw. „Hilfen zur Erziehung“ seit 2015 entwickelt und mit welchen Planzahlen rechnet die Stadtverwaltung im nächsten Doppelhaushalt?
2) Wie haben sich die Schulabbrecherquote und Jugendarbeitslosigkeit im Stadtgebiet seit 2014 entwickelt?
3) Wie haben sich die Fallzahlen und Kosten der Jugendgerichtshilfe seit 2014 entwickelt?
4) Welche Eigen- und Fördermittel standen für die Drogenpräventitionsarbeit seit 2014 zur Verfügung und werden 2019/2020 voraussichtlich eingeplant?

Falk Müller

Antwort: Sehr geehrter Herr Müller, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen im Auftrag der Oberbürgermeisterin Folgendes mit:

1) Das Budget der Jugendhilfe hat sich im Zeitraum ab 2015 wie folgt entwickelt:
– 2015: 22.273.599 € *
– 2016: 23.479.930 €
– 2017: 27.712.823 €
*der Aufwand für die Unterbringung unbegleitet minderjähriger Ausländer (umA) wurde manuell ermittelt und aus dem Budget Jugendhilfe im Jahr 2015 herausgerechnet; ab 2016 erfolgt die Darstellung der umA in einem separaten Unterbudget

Durchschnittlich umfassen im Bereich der stationären Angebote die Personalkosten ca. 82 %, im ambulanten Bereich ca. 87 % und bei den teilstationären Angeboten nehmen die Personalkosten einen Anteil von ca. 85 % ein. Eine gesonderte Erfassung der Personalkosten im Budget Jugendhilfe wird nicht vorgenommen.

Da der verwaltungsinterne Prozess zur Planung für den nächsten Zweijahreshaushalt 2019/2020 noch nicht abgeschlossen ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage zu künftigen Planansätzen getroffen werden.

2) Die Anzahl der Schulabbrecher werden weder von der Stadt Chemnitz, noch vom Landesamt für Schule und Bildung, Standort Chemnitz, bzw. vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus erfasst. Durch das Statistische Landesamt Kamenz werden lediglich die Anzahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss registriert.

Aus diesem Grund bezieht sich die nachfolgende Antwort auf die Chemnitzer Schulabgänger* ohne Hauptschulabschluss, welche eine kommunale Schule besucht haben:
– 2014: 156
– 2015: 139
– 2016: 149
– 2017: 199
* einschließlich Zeugnis zur Schulentlassung für Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Die Arbeitslosenzahlen in Chemnitz werden jedes Jahr im Juni erhoben. Folgende Zahlen von Jugendlichen unter 25 Jahre waren als „arbeitslos“ registriert:
– 2014: 681
– 2015: 530
– 2016: 621
– 2017: 560
– 2018: 634

3) Die Fallzahlen lassen sich über zwei Angaben abbilden. Zum einen über die Anzahl der im Jahreszeitraum der Jugendgerichtshilfe neu mitgeteilten Verfahren (Tabelle 1) und zum anderen über die Anzahl der davon betroffenen jungen Menschen (Tabelle 2).

Tabelle 1, Anzahl der in der Jugendgerichtshilfe „neu eröffneten Vorgänge“ (Mitteilungen über Ermittlungs-/Strafverfahren):
– 2014: 1.706
– 2015: 2.352
– 2016: 2.219
– 2017: 2.284

Tabelle 2, Anzahl der von Ermittlungs-/Strafverfahren betroffenen jungen Menschen:
– 2014: 984
– 2015: 1.471
– 2016: 1.334
– 2017: 1.192

Die Kosten der Jugendgerichtshilfe haben sich ab dem Zeitraum 2014 wie folgt entwickelt:
– 2014: 319.629 €
– 2015: 345.054 €
– 2016: 334.033 €
– 2017: 363.348 €

4) Im Bereich des Gesundheitsamtes wird die Jugendsucht- und Drogenberatung (JSDB) der Stadtmission Chemnitz e.V. gefördert. Hauptaufgabe der JSDB ist die Beratung von jungen Klienten und deren Angehörigen. Zu einem Teil deckt die JSDB allerdings auch Präventionsangebote mit ab. Dieser Umfang variiert im Jahresdurchschnitt und kann daher nicht genau finanziell untersetzt werden.

Die hauptsächlich mit der Präventionsarbeit betraute Regionale Fachstelle für Suchtprävention wird durch das Amt für Jugend und Familie finanziell gefördert.

Fördermittel im Amt für Jugend und Familie für Suchtprävention in den Jahren 2014/2015/2016/2017/2018:
– Regionale Fachstelle für Suchtprävention: 58.543 € / 62.204 € / 65.032 € / 81.500 € / 68.255 € *
– Kontaktstelle Jugendsucht- und Drogenberatung: 80.802 € / 84.487 € / 86.300 € / 101.340 € / 78.730 € *
– „Vitamine“ (Suchtprävention in der Schule): 0 € / 100.000 € (davon 50.000 € für Koordinierungsstelle) / 100.000 € (64.300 €) / 100.000 € (64.267 €) / 100.000 € (66.173 €)
* bedingt durch Personalwechsel und Neuaufteilung der Stellenanteile, wurde vom freien Träger ein geringerer Bedarf in 2018 gegenüber 2017 angezeigt

Mit freundlichen Grüßen
i. V. Miko Runkel
Philipp Rochold
Bürgermeister