Badegewässerqualität (RA-403/2018)

vom 17. Juli 2018

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, vor kurzem wurde ein EU-Bericht zur Wasserqualität deutscher Badegewässer veröffentlicht und ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:
1) Wurden in diesem Rahmen auch Badegewässer in/bei Chemnitz wie zum Beispiel der Stausee Oberrabenstein überprüft und bewertet?
2) Inwiefern und mit welchen Ergebnissen wurde in den letzten drei Jahren unabhängig der genannten Studie die Wasserqualität des Stausees, Schlossteiches, Kappelbaches, Chemnitz-Flusses oder städtischer Brunnen getestet?
3) Welche Wasserfläche durch Schwimmhallen und Freibäder (inkl. Stausee) steht den Chemnitzern im Sommer und Winter insgesamt und pro Kopf (sowie unter Beachtung jahreszeitenabhängiger Schließzeiten) zur Verfügung?
4) Welches Pro-Kopf-Verhältnis kann gemeinhin als „Idealvorstellung“ gelten und wird durch welche konkreten Maßnahmen mittelfristig angestrebt?
5) Inwiefern könnte man zum Beispiel den Schlossteich im Sommer als Badesee und im Winter als Eislauffläche nutzen, was sicherlich auch im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung ein interessantes Gedankenspiel wäre, oder den Chemnitz-Fluss als eine Art Strandbad am Uferpark oder Falkeplatz ausbauen?

Falk Müller

Antwort: Sehr geehrter Herr Müller, zu Ihrer Ratsanfrage teile ich Ihnen im Auftrag der Oberbürgermeisterin Folgendes mit:

1) Der Stausee Oberrabenstein ist eines der über 30 EU-Badegewässer in Sachsen. Die Überprüfung erfolgt durch das zuständige Gesundheitsamt der Stadt Chemnitz. Während der Badesaison vom 15. Mai bis 15. September erfolgen in der Regel fünf Begehungen, in diesem Zusammenhang werden Wasserproben entnommen.

In dieser Saison wurde der Stausee bereits viermal von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes Chemnitz besichtigt und es wurden Wasserproben entnommen. Zwei weitere Termine im August und September stehen fest und werden noch realisiert.

Der Stausee Oberrabenstein verfügt über eine „ausgezeichnete Badewasserqualität“. Auf der Internetseite des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz können alle diesbezüglichen Informationen unter dem Thema „Badewasserqualität“ eingesehen werden.

2) Die Untersuchung und Bewertung der Wasserqualität der sächsischen Fließgewässer erfolgt durch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Die Chemnitz und der Kappelbach werden jährlich untersucht. Die erhobenen Daten sind im Internet unter https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/7112.htm zu finden.

Der Schlossteich befindet sich nicht im Landesuntersuchungsprogramm. Die städtischen Brunnen werden nicht beprobt. Das Betreten bzw. Baden erfolgt auf eigene Gefahr. Das Gesundheitsamt rät vom Baden in den städtischen Brunnen ab.

3) Die Hallenbadfläche der Chemnitzer Bäder beläuft sich insgesamt auf ca. 2.940 m². Dabei wurden die Schwimmhalle Am Südring, die Schwimmhalle Gablenz und das Stadtbad sowie die Schwimmhalle im Sportforum einbezogen, welche vom Sportamt verwaltet werden. Allerdings ist die Schwimmhalle im Sportforum der Öffentlichkeit nicht zugänglich, sondern steht Sport- und Vereinsschwimmern zur Verfügung.

Die gesamte Wasserfläche aller Hallenbäder geteilt durch die aktuelle Einwohnerzahl von 247.287 ergibt eine Wasserfläche von ca. 0,012 m² pro Kopf, ohne die nicht öffentliche Schwimmhalle im Sportforum sind es 0,008 m².

Die vier städtischen Freibäder (Bernsdorf, Gablenz, Einsiedel, Wittgensdorf) haben eine Wasserfläche von ca. 4.832 m² und der Stausee Oberrabenstein ca. 48.000 m² (wovon ca. die Hälfte für den Badebetrieb genutzt wird). Dies entspricht ca. 0,12 m² pro Kopf.

Während der Freibadsaison haben die Hallenbäder nur eingeschränkt geöffnet. Von Mitte Juni bis Ende August hat lediglich die Schwimmhalle Gablenz dreimal wöchentlich, für sieben Stunden geöffnet.

4) Die aktuelle Situation der Hallenbäder wurde mit Beschluss zur Fortschreibung der Sportentwicklungs-planung (SEP) 2025, B-031/2016 vom 7. Dezember 2016 und unter Beachtung der Schließung der Schwimmhalle Bernsdorf Mitte des Jahres 2017 genauer erläutert.

Mit dem Neubau des Schwimmsportkomplexes am Standort des Freibades Bernsdorf wird eine zusätzliche Wasserfläche in einer Größenordnung von 690 m² entstehen.

5) Eine Nutzung des Schlossteiches (Zufluss Pleißenbach) oder der Chemnitz als Badegewässer kommt aus infektionshygienischen Gründen nicht in Betracht. In beide Gewässer erfolgen Mischwasserleitungen aus dem städtischen Kanalsystem, d.h. wenn bei Starkregenereignissen das Fassungsvermögen der Mischwasserkanalisation überschritten ist, erfolgen Einleitungen des Regenwasser-Schmutzwasser-Gemisches in diese Gewässer bzw. den in den Schlossteich mündenden Pleißenbach.

Mit freundlichen Grüßen
i. V. Sven Schulze
Philipp Rochold
Bürgermeister